Johann Strauß
Die Fledermaus
SH Landestheater
Premiere: 8. Februar 2025
| Musikalische Leitung | Harish Shankar |
| Inszenierung | Hendrik Müller |
| Bühne und Kostüme | Marc Weeger |
| Dramaturgie | Maximilian Eisenacher |
| Gabriel von Eisenstein | Matthias Störmer |
| Rosalinde von Eisenstein | Talia Or |
| Adele | Anna Avdalyan |
| Dr. Falke | Philipp Franke |
| Prinz Orlofsky | Anna Grycan |
| Alfred | Dritan Angoni |
| Gefängnisdirektor Frank | Timo Hannig |
| Dr. Blind | Christian Alexander Müller |
| Frosch | Dirk Audehm |
Wer sich in der Neuproduktion von Johann Strauß' [...] berühmter Operette "Die Fledermaus" am Schleswig-Holsteinischen Landestheater auf den Ball des ominösen Prinzen Orlovsky entführen lässt, wähnt sich im "Käfig voller Narren". Bunte, nonbinäre Fabelwesen zwischen Mensch und Tier, frivole Spielchen mit Geschlechterrollen, ausgelassene Partystimmung. Der Prinz - oder die Prinzessin? - selbst im Latexanzug mit riesigen roten Federn. Dazwischen ein paar bourgeoise Snobs, mit denen sich der Hochadel nur zum Schein verbrüdert, um sie anschließend (mit bürgerlicher Hilfe natürlich) im Guantanamo-artigen Knast möglichst tief fallen zu sehen.
Ausgesprochen stimmig ist diese Adaption von Regisseur Hendrik Müller und Ausstatter Marc Weeger. Sie taucht die Geschichte um die Rache des Notars Dr. Falke an seinem Freund Eisenstein - der ihn einst nach einer Party betrunken im Fledermauskostüm der öffentlichen Belustigung aussetzte - in pralle, bunte Bilder und schafft Raum für lustvolles, mitreißendes Spiel der Darsteller. [...] "Fledermaus 2025" am Landestheater - das kann auch Kult werden.
[Christoph Kalies - Shz, 10. Februar 2025]
Opernchef Hendrik Müller seitzt in der nirgends auf der Stelle tretenden Inszenierung gekonnt auf den unermüdlich amüsanten Boulevard-Charme in einer scheinheiligen kaiserlichen Bürgergesellschaft. Szenisch konsequent und ganz ohne angestrengt bemüjte Aktualisierung wird hier die partiell aus dem Ruder laufende Rache am bagatelladeligen Tunichtgut-Rentner Eisenstein nacherzählt. Funktioniert prima und zur vollständigen Begeisterung des Premierenpublikums im vollen Flensburger Stadttheater. [...] Vor allem fällt erneut auf, wie trefflich die Gesangspartien und Typen am Landestheater besetzt sind.
[Christian Strehk - Kieler Nachrichten, 10. Februar 2025]
Auffällig sind die kräftigen Farben, die optisch vom ersten Moment an für frische Akzente und eine zeitgemäße Optik sorgen. Das Stück wird am heutigen Abend also nicht neu erfunden, und diese Inszenierung besticht in erster Linie durch viel Humor, eine schier unglaubliche Liebe zum Detail und ein spielfreudiges Ensemble, welches auch choreographisch einiges zu leisten imstande ist. Trotz dieser im besten Sinne traditionellen Herangehensweise bringt Müller auch eine Botschaft rüber. Auf Orlofskys Ball erleben wir eine Gesellschaft von Freigeistern, die die tagsüber geltenden gesellschaftlichen Normen, durch die sie zu Außenseitern werden, ablehnen und möglicherweise sogar deren Untergang herbeiwünschen. Die Kostüme im zweiten Akt sind stilvoll, verfügen über einen hohen Glamour-Faktor und erinnern eher an einen Sommertab im liberalen englischen Seebad Brighton als an Menschen, die ein Schleswig-Holsteiner im Alltag zu Gesicht bekäme. So gibt der Regisseur diesem zeitlosen Dauerbrenner eine gesellschaftlich-kritische Note mit auf den Weg, ohne mit der Brechstange zu arbeiten oder auch nur den Zeigefinger zu erheben. Ganz subtil lässt er die Zuschauer im Rahmen ihrer individuellen Toleranz darüber sinnieren, ob ein wenig mehr Toleranz Andersdenkenden gegenüber unserer Gesellschaft nicht sehr gut bekommen würde.
[Marc Rohde - Online-Merker / Der Opernfreund, 10. Februar 2025]