Sergei Prokofjew
Die Liebe zu den drei Orangen

SH Landestheater

Premiere: 5. Oktober 2024

Musikalische Leitung Harish Shankar
Inszenierung Hendrik Müller
Co-Regie und Choreographie Andrea Danae Kingston
Bühne und Kostüme Marc Weeger
Dramaturgie Maximilian Eisenacher
Kreuz König Kai-Moritz von Blanckenburg
Der Prinz Dritan Angoni
Prinzessin Clarice Vera Semieniuk
Leander / Die Köchin Timo Hannig
Truffaldino Christian Alexander Müller
Pantalone / Farfarello / Herold Philipp Franke
Der Zauberer Tschelio Mikolaj Bonkowski
Die Hexe Fata Morgana Itziar Lesaka
Prinzessin Linetta Vera Semieniuk
Prinzessin Nicoletta / Smeraldina Anna Avdalyan
Prinzessin Ninetta Malgorzata Roclawska
Zeremonienmeister Xiaoke Hu

Oper in vier Akten und einem Prolog
Libretto von Sergei Prokofjew und Vera Janacópulos nach Wsewolod Meyerholds Adaption von Carlo Gozzis L'AMORE DI TRE MELARANCE
Deutsche Textfassung von Werner Hintze
Reduzierte Orchesterfassung von Philipp Haag

Neuer Operndirektor des Landestheaters startet mit Riesen-Spektakel - Hendrik Müllers Inszenierung von "Die Liebe zu den drei Orangen" suhlt sich voll Vergnügen in den Absurditäten des Märchens und bietet ein mitreißendes Theatererlebnis. Das Premierenpublikum in Flensburg war restlos begeistert von dem Spektakel. Bühnenbildner Marc Weeger, der auch für die grandiosen Kostüme verantwortlich zeichnet, nutzt hervorragend die Möglichkeiten der Drehbühne, um die Handlung gleich auf mehreren Ebenen ablaufen zu lassen - und das ganz ohne störende Umbaupausen. [...] Das spielfreudige und sängerisch überzeugende, vielköpfige Ensemble verdiente sich bei der Premiere am Samstag Bestnoten. [...] Das Publikum spendierte minutenlangen stehenden Applaus für diesen gelungenen Saisonauftakt des Musiktheaters, der für die Zukunft noch einiges verspricht.
[Lars Geerdes - Flensborg Avis, 8. Oktober 2024]

Mit einer knallbunten, fantasievollen, urkomischen und doppelbödigen Inszenierung von Sergej Prokofjews 1921 uraufgeführter Oper "Die Liebe zu den drei Orangen" feiert Regisseur Hendrik Müller seinen Amtsantritt als Operndirektor des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters im ausverkauften Flensburger Haus. [...] Welttheater, in dem alles Spiel ist: Ausstatter Marc Weeger schuf dafür eine bunte Casino-Atmosphäre mit großem Mond im Hintergrund und faszinierende Kostüme mit Spielkarten-Symbolik. Müller und seine Co-Regisseurin und Choreographin Andrea Danae Kingston lassen Chor und 16-köpfiges Ensemble munter durch das Geschehen tänzeln. [...] Die oft abgezirkelten, stilisierten Bewegungen besonders der Darsteller aus dem Märchenreich erinnern zudem an die von Wsewolod Meyerhold 1917 entwickelte Schauspieltechnik der "Biomechanik". [...] Da Meyerhold Prokofjew die Vorlage für die Oper gab, kann man das durchaus als "werkgetreu" bezeichnen. Was aber viel wichtiger ist: Es ist einfach faszinierend schön. [...] Ganz großes Theater.
[Christoph Kalies - Schleswig-Holsteinische Zeitung, 8. Oktober 2024]

Zentrales Element der Inszenierung ist Bühnenbildner Marc Weegers auf der Vorder- wie Hinterseite dreitüriges Kabinett. Es befindet sich in ständiger Drehbewegung, wodurch die Darsteller in und mit der Bühneninstallation interagieren können und Auf- und Abgänge der Figuren nahtlos geschehen. Das Schauspiel gerät nicht ins Stocken, vor allem deshalb nicht, weil das Personal auf und neben der Bühne nie stillsteht. Detailreich auschoreografiert kommentieren Figuren ihren Gesang, ihre eigene Bewegung, die Aktion des Gegenübers. Dadurch entsteht stets eine subtile Parallelhandlung, die oft sogar komischer ist als die Haupthandlung.
Damit einher gehen vielfältige Kostüme und Maskeraden, die von David Bowie und Marilyn Monroe über Alice im Wunderland bis zur traditionellen Commedia dell’arte reichen und viel Raum zum Entdecken bieten. Auch hier kennt Müller seine Sänger und deren Charaktere gut, staffiert die Figuren nicht einfach willkürlich aus, sondern sucht passende Persönlichkeiten. [...] Schließlich lenkt die Lichtregie "Die Liebe zu den drei Orangen" wieder in geordnete Bahnen, wodurch das Wesentliche in der Handlung nicht durch unverständliche Anspielungen verwässert. Ob nun der Auftritt der Hexe Fata Morgana oder das erfolgreiche Auffinden der Orangen: klar erkennbare Farben wie orange oder grün fungieren als visuelle Karteikarten mit gezielt märchenhafter Plakativität. Insgesamt legt Hendrik Müller als Operndirektor in Flensburg mit Ideenreichtum und Kreativität ein überzeugendes Debüt hin.
[Patrick Erb - concerti.de, 6. Oktober 2024]

Prinzipien der Commedia dell'Arte lustvoll huldigend, rührt er Regisseur und neue Operndirektor Hendrik Müller in einem blubbernden Schmelztiegel aus theatralischen Formen, Typen und Themen mit der großen Kelle, ist mit fast kindlicher Freude "immer eins drüber". Und doch wirkt diese famose Zügellosigkeit nicht beliebig.
Die einzelnen Figuren - so schräg sie auch sein mögen - verhalten sich im nachvollziehbaren Spannungsverhältnis zueinander. Die Erzählung funktioniert. Als wäre die einem Fiebertraum entsprungene Bühne samt Kostümen und Licht (fantastisch: Marc Weeger) nicht schon Schauwert genug, gelingt es Müller immer wieder, die zuweilen zahllosen singenden Menschen auf der Bühne zu malerischen Tableaus zu ordnen.
Was dieses Bühnenpersonal angeht, darf getrost ein großer Denker der Moderne ins Feld geführt werden. Es war Berti Vogts, früher Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft, der einst konstatierte: "Der Star ist die Mannschaft." Das zwölfköpfige Solistenensemble sowie der Opern- und Extrachor [...] werden diesem Diktum in jeder Sekunde gerecht. Gesanglich sind die Partien anspruchsvoll, weil Prokofjew geradezu rasend durch sämtliche klangliche Gestaltungsformen turnt und so auch die Sängerinnen und Sänger mit verschiedenen Koloraturen und ständigen Tempowechseln extrem fordert. Darüber hinaus hat das Ensemble darstellerisch wirklich einiges zu tun. Herausgekommen ist eine insgesamt großartige Darbietung.
[Thomas Richter - Kieler Nachrichten, 18. Oktober 2024]

Es gibt viel zu sehen in dieser Inszenierung von Operndirektor Hendrik Müller, und das dankt ihm das Publikum auch. [...] Müllers Phantasie scheint schier grenzenlos zu sein und er lässt alle Künstler auf der Bühne wie selbstverständlich schauspielerisch das Optimum aus sich herausholen. Zentrales Element der Bühne von Marc Weeger ist ein Kabinett mit drei Türen, welches auf einer Drehbühne platziert ist. Diese ist ständig im Einsatz und hilft somit dabei, die Aktion auf der Bühne stets in Schwung zu halten. Auch die fantasievollen Kostüme sind von Weeger, und allein das Betrachten dieser würde schon für staunende Gesichter sorgen. Nicht wenige Gewänder erinnern an die schillernden Auftritte berühmter Pop-Stars. Dazu gewinnt man schnell den Eindruck, fast das gesamte Geschehen sei geschickt durchchoreographiert (Choreographie und Co-Regie: Andrea Danae Kingston), was wiederum zusätzlich zur Kurzweil dieser in deutscher Übersetzung von Werner Hintze gesungenen surrealen Märchenoper beiträgt. [...] In der fast ausverkauften Vorstellung belohnt das Flensburger Publikum seine Künstler mit langanhaltendem Applaus. Ein toller Erfolg für Operndirektor Hendrik Müller und seine musikalische Crew.
[Marc Rohde - Der Opernfreund, 11. November 2024]

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