Kurt Weill
One Touch of Venus

SH Landestheater

Premiere: 17. Mai 2025

Musikalische Leitung Sergi Roca Bru
Inszenierung Hendrik Müller
Choreographie Andrea Danae Kingston
Bühne Rifail Ajdarpasic
Kostüme Ariane Isabell Unfried
Dramaturgie Susanne von Tobien
Venus Kara Kemeny
Rodney Hatch Christian Alexander Müller
Whitelaw Savory Kai-Moritz von Blanckenburg
Molly Grant Vera Semieniuk
Mrs Florabelle Kramer Ruth Müller / Sarah Kuffner
Gloria Kramer Anna Avdalyan
Taxi Black Dritan Angoni
Stanley Mikolaj Bonkowski / Dirk Audehm
Zuvetli / Dr. Rook Ruth Müller / Sarah Kuffner
Ballett Ben Silas Beppler
Chu-En Chiu
William Gustavo De Barros
Perla Gallo
Laura Elizalde García
Yi-Han Hsiao
Yun-Cheng Lin
Carolina Martins De Oliveira
Emanuele Senese
Gijs Machiel Stenger
Risa Tero
Meng-Ting Wu

Wiederaufnahme am 25. Oktober 2025
weitere Vorstellungen: 16. und 29. November, 31. Dezember 2025
sowie am 18. (Itzehoe) Januar 2026

EIN HAUCH VON VENUS
Musical Comedy in zwei Akten
Musik und Gesangstexte von Kurt Weill und Ogden Nash
Buch von S. J. Perelman und Ogden Nash nach "The Tinted Venus" von F. Anstey
Deutsch von Roman Hinze

Es ist ein alter Mythos, der in Flensburg neues Leben erhält - und zwar buchtstäblich: Venus steigt vom Sockel und flugs gerät die Liebe aus dem Takt. Was 1943 am Broadway mit 567 Vorstellungen als Kassenschlager endete, wird nun am Landestheater Schleswig-Holstein in einer Inszenierung von Hendrik Müller mit entwaffnender Klarheit und Charme auf die Bühne gebracht - eine seltene Gelegenheit, den "amerikanischen" Weill auch hierzulande zu erleben. [...] [Was Theodor W. Adorno noch] als Verrat am Ernsthaften geißelte, entpuppt sich bei genauerem Hinhören als luzides Spiel mit Formen und Erwartungen. Und genau dieses Spiel vermag Müller in seiner Flensburger Inszenierung feinsinnig herauszuarbeiten: ohne Aktualisierungs-Gestus, ohne Regie-Eitelkeit - aber mit Liebe zur Vorlage. [...]
Das Bühnenbild von Rifail Ajdarpasic tut sein Übriges, um aus Flensburg ein artifizielles Manhattan zu machen. Die klassisch-eleganten Kostüme von Ariane Isabell Unfried verbinden Skulpturen-Zitat mit Großstadt-Charme, während Andrea Danae Kingstons pointierte Choreographien die Grenze zwischen Mensch und Monument tänzerisch verwischen. [...] Man hört und sieht: Hier widmet man sich den Details, kostet das komödiantische Material vollends aus. Eine Wohltat und auch ein Beweis dafür, dass Kurt Weills amerikanisches Exil endlich auch in deutschen Spielplänen ankommen darf. Fürs Erste bleibt: Flensburg hat eine Statue zum Tanzen gebracht. Und wer weiß - vielleicht steht sie bald andernorts wieder auf.
[Philipp M. Pankow - Musical Today, 27. Mai 2025]

Was der aus Deutschland geflüchtete Kurt Weill da in New York als Mixtur aus angeschräftem Personalstil, Schmonzetten und Tanzorchester-Drive zusammengebraut hat, ist fetzig und vergnüglich. Voraussetzung, es wird so schön frech und crazy serviert wie von den entfesselten SH-Sinfonikern unter der Leitung von Kapellmeister Sergi Roca Bru. Flensburgs Opernchef Hendrik Müller bleibt der Unterhaltungsfilm-Aura der 40er- und 50er-Jahre mit Showtreppe, Bühnennebel und Wolkenkratzer-Hintergrund (Bühne: Rifail Ajdarpasic) hübsch treu. Er bringt so die gewitzte deutschsprachige Textfassung von Roman Hinze aus dem Jahr 2019 szenisch auf den Punkt.
Slapstick oder Klamauk wird weitgehend geschickt ersetzt durch einen von Andrea Danae Kingston choreographierten Bewegungskorps, der sich aus der Ballettkompagnie speist und in Gestik und Kostümen (Ariane Isabell Unfried) an die Welt von Comic und Pantomime erinnert. Das passt bestens zur sich manchmal maschinenhaft festbeißenden Großstadtmusik Weills. [...] Das erfreulich jung durchmischte Publikum geriet im Flensburger Stadttheater am Dienstagabend über die Produktion völlig aus dem Häuschen - zu Recht!
[Christian Strehk - Kieler Nachrichten, 26. Mai 2025]

Die scheinbar harmlos-märchenhafte Variation des Pygmalion-Motivs ist angereichert mit deftiger Kritik am Kapitalismus und patriarchalen Geschlechterrollen. Und natürlich genialer, flotter Musik, die den pointierten Song- und Moritatenstil der 1920er-Jahre mit dem eleganten, Jazz-geprägten Sound der Broadway-Musicals verbindet. Das alles gibt es am Landestheater in einer Neuproduktion, für die Regisseur Hendrik Müller und sein Team aus dem Vollen schöpfen können. [...] So macht Theater Spaß!
[Christoph Kalies - Shz, 23. Mai 2025]

Hendrik Müller gelingt erneut eine von Anfang bis Ende stimmige Inszenierung, die auch in dieser Repertoireaufführung vom Publikum gefeiert wird. Dabei verzichtet der Regisseur auf Aktualisierungsversuche und lässt – ganz schön mutig! – die Musical Comedy witzig und spritzig sein, die Venus erotisch und weiblich erscheinen und die Geschlechterrollen so klischeehaft, wie man es damals für normal gehalten hat. Dabei greift der Regisseur oft in die äußerst wirkungsvolle traditionelle Theater-Trickkiste, arbeitet mit Lichteffekten und Bühnennebel und spornt sein ohnehin spielfreudiges Ensemble zu darstellerischen Höchstleistungen an. Auf Firlefanz wie LED-Wände wird im Bühnenbild von Rifail Ajdarpasic bewusst verzichtet. Stattdessen spielt die Szene in einem von Art Deco geprägten eleganten Bühnenbild, welches durch wenige Veränderungen die unterschiedlichen Spielorte andeutet. Köstlich sind dazu die stilistisch stimmigen und detailverliebten Kostüme von Ariane Isabell Unfried. [...]
Die Tänzerinnen und Tänzer erhalten reichlich Raum, um in mehreren reinen Tanznummern – schwungvoll und pointiert choreografiert von Andrea Danae Kingston – ihr ganzes Können unter Beweis zu stellen. Mit Leichtigkeit, Präzision und einem feinen Gespür für Humor füllen sie die Bühne und prägen das Geschehen weit über dekoratives Beiwerk hinaus. Ihre Präsenz verleiht der Produktion eine zusätzliche körperlich-dynamische Ebene und trägt entscheidend zur rhythmischen Energie und zur visuellen Opulenz des Abends bei – ein choreografisches Element, das den überwältigenden Gesamteindruck nicht nur abrundet, sondern wesentlich mitprägt. [...]
Wer diese kurzweilige Produktion verpasst, ist selbst schuld!
[Marc Rohde - Der Opernfreund, 22. Mai 2025]

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